Wo Hopfen und Malz noch nicht verloren ist
Der Biergarten ist eine bayerische Erfindung
(dtd). Bier – kein anderes alkoholisches Getränk ist so eng mit Deutschland verbunden wie das Gebräu aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Ob hell oder dunkel, gezapft oder aus der Flasche: Deutschland ist Bierland. Durchschnittlich trinkt jeder Deutsche etwas mehr als 100 Liter im Jahr, der durchschnittliche Weinkonsum pro Kopf liegt bei etwas mehr als 20 Litern. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes liegt die Bundesrepublik weltweit im Verbrauch nach Tschechien an zweiter Stelle. Weltweit an der Spitze liegt Deutschland auch, was die Vielfalt der Biere angeht. Denn in den rund 1300 Braustätten des Landes werden rund 5000 verschiedene Biere gebraut. Wollte man alle Biersorten verkosten, so könnte man 13 Jahre lang jeden Tag ein anderes deutsches Bier genießen.
Obwohl wir Deutschen so fleißige Biertrinker sind, haben wir es nicht erfunden. Schon vor rund 6.000 Jahren vergoren die Sumerer halbfertiges Brot mit Wasser und stellten so das erste bierartige Getränk her. Auch die Kelten, die eher bekannt sind für keltischer Schmuck, kannten das Gebräu. Die Zutaten waren sehr unterschiedlich, die Qualität auch. Erst mit der Einführung eines geregelten Braubetriebs durch die Klosterbrauereien setzten sich Standards durch. In Bayern galt ab 1516 eines der ersten Reinheitsgebote, wonach Bier nur aus Gerste, Hopfen und Wasser gebraut werden durfte. Das Getränk wurde so beliebt, dass Produktions- und Verkaufssteuern darauf erhoben wurden.
Mit dem Industriezeitalter veränderte sich auch die Bierproduktion. Bislang waren meist sogenannte obergärige Biere produziert worden, weil deren Gärtemperatur bei 15 bis 22 Grad Celsius lag. Sie sind nur kurz haltbar. Untergärige Biere sind länger haltbar, benötigen auch eine längere Reifezeit und Gärtemperaturen unter zehn Grad Celsius. Deshalb konnten diese Biere erst mit der Erfindung der Kühlmaschine ganzjährig hergestellt werden. Zuvor lagerten die Biere in Höhlen oder ausgebauten Kellern. Die Biergärten entstanden, damit dieses Bier auch in wärmeren Monaten ausgeschenkt werden konnte.
Etwa die Hälfte der 1300 Brauereien liegen in Bayern, dies ist wohl der Hauptgrund, warum der Biergarten bayerischen Ursprungs ist. Als untergäriges Bier immer beliebter wurde, haben die großen Münchner Brauereien in den Flusshängen der Isar tiefe Bierkeller angelegt. Um das Gebräu ganzjährig zu kühlen wurde Eis in die Keller geschafft und auf der Oberfläche Kastanien gepflanzt und Kies ausgebracht. Zunächst holten sich die Leute das Bier in Maßkrügen nach Hause, besonders im Sommer tranken sie es direkt am Ausschank. Die Bierkeller entwickelten sich zum beliebten Ausflugsziel, zu dem man auch seine Brotzeit mitbrachte. Alsbald stellten die Brauereien über ihren Bierkellern Tische und Bänke auf. Von diesen ersten Kellerbiergärten sind heute noch der Paulaner Nockherberg und der Hofbräukeller erhalten. Und so geht man heute – je nach Region – in den Biergarten oder auf den Bierkeller.
Der Münchner Hirschgarten gehört mit seinen 8.000 Plätzen zu den größten traditionellen Biergärten der Welt. Die meisten Brauereien weltweit gibt es in Oberfranken.
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