• Lauschige Kanäle glitzern in der Sonne, rechts und links von weißen Häusern mit geschwungenen Dächern gesäumt, dazwischen leuchten rote Laternen, hier und da …

    Bild… ragt ein Blütenzweig über das Wasser, immer wieder gleiten leise Boote vorbei: Gälte es, die „chinesischste“ aller chinesischen Städte auszuloben, Suzhou hätte gute Chancen auf den ersten Platz. Die Stadt vor den Toren Shanghais steht seit jeher für raffinierte Kultur und Lebensart, Kunst und klassische Kultur. Hier und da wird sie auch als „Venedig des Ostens“ bezeichnet – und das ist (vom bedauerlichen Mangel an westlicher Vorstellungskraft, der hinter diesem Ausdruck steckt, einmal abgesehen) gar nicht so falsch: Fast die Hälfte der Altstadt von Suzhou ist mit Wasser bedeckt, durchzogen von eben jenen Kanälen, gekrönt von zahllosen Steinbrücken. Historisch kann Suzhou übrigens auch mühelos mithalten: Auf mehr als 2500 Jahre Geschichte blickt die Stadt zurück, auch wenn sie bis vor wenigen Jahren nach chinesischen Maßstäben als Kleinstadt galt – die allerdings schon Weltruhm erlangte, als Shanghai noch ein vergessenes Fischerdorf war.

    Im „Land von Fisch und Reis“
    Erste historische Erwähnungen der Stadt stammen aus der Zeit der „Streitenden Reiche“ (403-221 v.Chr.), als Suzhou dem Königreich Wu als Hauptstadt diente. Auch wenn diese Ära nur einige Jahre währte, wurden in dieser Zeit bereits erste Palastanlagen errichtet. Anders als viele andere frühe Hauptstädte verlor Suzhou nie wirklich seine Bedeutung und wurde nie aufgegeben. Im Gegenteil: In den folgenden Jahrhunderten prosperierte die Kleinstadt. Bereits im 7. Jahrhundert war die Region um die Mündung des Yangzi eine der wohlhabendsten in China: Das „Land von Fisch und Reis“ war stolz auf den wirtschaftlichen Erfolg, der nicht zuletzt einem mysteriösen Stoff zu verdanken war: der Seide. Seit Beginn der chinesischen Geschichtsschreibung wurde in Suzhou der leichte Stoff hergestellt, der schon die Römer rätseln ließ: Woher nur stammte das luftige Material? Und woraus war es gemacht? Bis dieses Rätsel gelöst wurde, sollten Jahrhunderte vergehen.
    Gleichzeitig lag und liegt Suzhou in einer landwirtschaftlich sehr fruchtbaren Region: Die feuchten Böden waren ideal für den Reisanbau. Wollte man größere Gebäude errichten, musste der Boden freilich entwässert werden. Auf den, quasi als Nebenprodukt entstandenen Kanälen ließen sich Waren einfach und schnell transportieren. Der ganz große Durchbruch, der absolute Boom, kam für Suzhou jedoch mit dem Bau des Großen Kanals. Bereits die Sui-Dynastie des sechsten Jahrhunderts ließ ein ganzes System an Wasserwegen errichten, das die Region mit dem Norden Chinas verband und viele Vorteile bot: Da die Küste immer wieder von Piraten bedroht wurde, gab es nun eine sichere Wasserverbindung vom prosperierenden Süden in den Norden. Getreide, Seide, Tee und andere kostbare Waren gelangten so schnell in die Kaiserstädte Xi’an, Luoyang und Beijing – und die Waren des Nordens natürlich auch die Region Suzhou. Ein Wohnsitz in Suzhou wurde ebenfalls ein gutes Stück begehrter, konnte man doch nun die weite Reise aus dem Norden vergleichsweise sicher zurücklegen.

    Hi-Tech und Geschichte
    Logisch, dass Suzhou wuchs und gedieh. Immer mehr Adlige, Gelehrte, reiche Händler und Künstler zog es in die Stadt – ein Wohnsitz in Suzhou versprach Prestige. Ihre Spuren entzücken bis heute die Besucher: Ein wenig kaiserlichen Glamour wünschten sie sich, und Geld war ja schließlich genug da. Die fantastischen Gärten, die daraus entstanden, gehören zu den schönsten der Welt. Mehr als 200 waren es einst, jeder für sich einzigartig und mit viel Liebe gestaltet – wahre Refugien, die oft nur wenig von der Stadt außerhalb der Gartenmauern ahnen ließen. Auch wenn heute „nur noch“ um die 20 davon existieren, bleibt Suzhou die Stadt der Gärten und, so ein chinesisches Sprichwort, das Paradies auf Erden. Seit 1997 gehören immerhin neun der Gartenanlagen zum UNESCO Weltkulturerbe.
    Bei allem Wohlstand wuchs Suzhou im Laufe der Geschichte interessanterweise nie über die Größe einer Mittelstadt hinaus. Mit rund vier Millionen Einwohnern in der Kernstadt ist Suzhou auch heute nach chinesischen Maßstäben keine Mega-City. Wirtschaftlich boomt Suzhou jedoch noch immer: Längst sind die Vororte mit den Außenbezirken Shanghais zusammengewachsen, dank moderner Verkehrsmittel ist es kein Problem, zwischen der Yangzi-Metropole und dem idyllischen Suzhou zu pendeln. Zudem ist die Stadt einer der wichtigsten Hi-Tech Standorte des Landes. Dies macht sich auch positiv in der Altstadt bemerkbar: Dem vollen Staatssäckel sei Dank, wurde sie vor einigen Jahren komplett renoviert und behutsam modernisiert.

    Romantik für die Ewigkeit
    Kein Wunder, dass Suzhou bis heute als eine der schönsten Städte des Landes gilt. Und nicht nur das: Ihre Bewohner seien besonders freundlich, heißt es, ja sogar, die Frauen von Suzhou hätten den hübschesten Akzent. Vielleicht ist Suzhou deshalb auch die romantischste Stadt Chinas? Gut möglich, ach was, höchst wahrscheinlich ist es, in Suzhou einem Hochzeitspaar zu begegnen. Nicht dass die Suzhouer besonders oft heiraten würden. Von überall aus China fliegen sie ein, samt Fotograf, Assistent, Make-up-Artist und Friseur, um sich in voller Hochzeitsmontur vor der historischen Kulisse ablichten zu lassen – schließlich heiratet man ja (hoffentlich) nur einmal im Leben. Und dann muss es das Beste sein – Suzhou eben.

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    Suzhou: Chinesische Idylle

    veröffentlicht auf Link im Web am 1. März 2019 in der Rubrik Presse - News
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